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Unibrennt

Was sich in den letzten Tagen in  Österreich abspielt – speziell an der Universität Wien – ist schon beeindruckend. Dabei ist der studentische Protest der entbrannte und unteranderem sich in der Besetzung des Audimax der Uni Wien seit letztem Donnerstag manifestiert und bis heute – trotz langem Wochenende – durchgehalten wurde, nur ein Teil dessen.

Besonders beeindruckend für mich ist, dass man neben den klassischen Protestarten – eben von der Besetzung bis hin zu Flyern – besonders auf die digitalen Medien setzt. Und das nicht ohne Grund. Denn neben der Kommunikation nach außen, hat sich auch innerhalb der Strukturen der Besetzer einiges verändert, wenn man den Vergleich mit früheren Protesten dieser Art wagt. Philipp Sonderegger beschreibt im PHSBLOG hervorragend die Strukturen der Protestierer: Es gibt keine starre Hierarchie, keine kleine Gruppe, welche die Leitung des Protests einnimmt. Alle wichtigen Posten werden täglich neugewählt. Jeder kann sich einbringen und mit abstimmen.

Dieses aus einem recht spontanen Protests ‚herausgebildete‘ Netzwerk nutzt dabei viele Möglichkeiten des Internets zur dezentralen Organisation, was hier einmal kurz am Beispiel der Besetzung des Audimax der Uni Wien beschrieben werden soll. Als Herzstück der ‚Kampagne‘  agiert die Homepage unsereuni.at, welche sich anscheinend als zentrale Anlaufstelle etabliert hat. Diese bietet alles was das Herz begehrt. Neben immer wieder neu erscheinenden Meldungen, gibt es eine Terminübersicht, Kommentarfunktion, Fotos, Pressespiegel und Verlinkungen zu allen anderen Unis die sich dem Protest angeschlossen haben.

Neben diesen noch recht klassischen Elementen nutzt man für die Koordination und zur Diskussion auf ein Forum und ein Wiki. So diskutiert man im Forum über die Forderungen und andere inhaltliche Herausforderungen. Im Wiki, im welchem jeder mitarbeiten kann, werden alle Arbeitsgruppen vorgestellt, die Plenen vorbereitet und die Arbeit verschiedener Stellen dokumentiert.

Um dieses digitale Herz etabliert sich dazu ein Netz aus verschiedenen Sozialen Netzwerken, die zur Koordination und Diskussion genutzt werden. So hat die Facebook-Seite zur Audimax-Besetzung bis jetzt 16.513 Fans (Stand 28. Oktober, 19:13 Uhr), welche stark von den Betreibern, aber auch von den  ‚Fans‘ genutzt wird. Das StudiVZ-Edelprofil hat mit 4597 nicht ganz soviel Zulauf, eignet sich für die Zwecke der Protestierenden aber auch weniger. Trotzdem werden alle wichtigen Informationen dargeboten und die Pinnwand von den Studierenden durchaus genutzt. Der passende Twitter-Account darf natürlich nicht fehlen. Dieser wird in erster Linie zur Informationsverbreitung genutzt, ähnlich wie bei Facebook. Das heißt hierüber werden Meldungen, Hinweise und Ähnliches verbreitet. Daneben werden Twitter und Facebook auch als digitales Schwarzes Brett genutzt, um z.B. nach Nahrungsmitteln oder USB-Kabeln zu bitten. Aber auch zur regen Diskussion wird Twitter genutzt, unteranderem mit Hilfe der Hashtags #unsereuni #unibrennt und #audimax.

Die Dynamik die dabei entstanden ist, ist einfach beeindruckend, besonders vor dem Hintergrund, dass diese Besetzung erst letzten Donnerstag (22.10.09) ad-hoc entstanden ist. Dieser digitale Protest ist ein wunderbares Beispiel für die Möglichkeiten und die Macht des Netzes. Nicht nur bei der eigene Koordination, sondern ganz besonders in der Herstellung von Öffentlichkeit.

Gerade durch diese recht ungeplante Besetzung und ohne starke Hierarchien ist eine klassische Pressearbeit kaum möglich. Auch scheint das Interesse mancher Medien für den Protest sich erst spät entwickelt zu haben. So hat zum Beispiel der ORF lieber über den Weltrekordversuch des Bundesheeres im Massen-Mambo-Tanzen am letzten Freitag berichtet, als über die Besetzung des Audimax. Somit ist nicht verwunderlich, dass man bei der Pressearbeit und bei der Herstellung von Öffentlichkeit genauso auf die neuen Kommunikationsformen setzt, anstatt auf die alten Medien zu warten.

Der Video-Live-Stream aus dem Audimax macht dabei nur den Anfang. Dabei wird alles übertragen was hier stattfindet: Von Plenumssitzungen bin zu Vorträgen. Außerdem werden verschiedene Videos veröffentlicht. Unteranderem auf YouTube und auf ichmachpolitik.at (ein politisches Videoportal, in dem sonst Fragen an Politiker gestellt werden kann). Hier werden vor allem Interviews mit Mitgliedern von Arbeitsgemeinschafte verbreitet, aber auch von manch prominenten Menschen. Daneben gibt es aber auch schon kleine Kampagnen-Videos, die kurz und auf spannende Wiese die grundsätzlichen Forderungen artikulieren.

Wer sich desweiteren ein Bild von der Lage machen will, kann auch auf Flickr zurückgreifen. Hier gibt es einen eigens angelegten Account und einen Gruppenpool, welche viele Bilder der letzten Tage bereitstellen. Außerdem versuchen sich Studierende in der Rolle von Journalisten und nutzen Internetangebote, wo jeder Nachrichten verbreiten darf, wie z.B. Indymedia oder iReporter von CNN.

Somit hat man es geschafft diesen Streik in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Berichteten zuerst nur österreichische Blogs und Medien, schwappte die Welle langsam auch nach Deutschland und wurde z.B. von einem der größeren deutschsprachigen Blogs Spreeblick aufgegriffen und später sogar von der Süddeutschen Zeitung.

Die Besetzung des Audimax der Uni Wien zeigt sehr anschaulich, wie und warum die Möglichkeiten des Internets – von der eigenen Homepage bis zu den Sozialen Netzwerken – genutzt werden können. Die Studierenden können sich leicht selbstständig organisieren, Transparenz schaffen, viele am Protest teilhaben lassen und sehr schnell, sehr viele Menschen informieren und mobilisieren.

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Und schon wieder haben es die Jungs und Mädels von der CDU geschafft die Zielgruppe ordentlich zu verfehlen.

Vor ein paar Stunden wurde ein neuer Spot mit dem schönen Titel „Perspektive“ veröffentlicht. Die schöne Perspektive des Films zeigt eine Tankstelle und einen Autofahrer beim Tanken. So stellt sich die CDU die Zukunft vor? Anscheinend schon, denn im Spot hetzt man gegen neue Technologien – im Speziellen die Erneuerbaren Energien – und sagt, dass man lieber an den alten, den bestehenden Konzepten festhalten will.

Also man kann ja meinetwegen vom Atomausstieg halten was man will, aber zusagen das man Erneuerbare Energie nicht braucht, ist im Wahlkampf recht kontraproduktiv. Besonders weil etwa 85 % der BundesbürgerInnen diese befürworten, selbst die Anhänger von Schwarz-Gelb (81 %) wie eine Befragung von Emnid für Greenpeace vor kurzem ergab. Gerade auch die jüngeren Generationen stehen diesem Thema sehr aufgeschlossen gegenüber. So halten 81 % der 14- bis 29-Jährigen die Förderung von Erneuerbaren Energien für sehr bzw. außerordentlich wichtig (forsa 2007). Um festzustellen dass diese Gruppe mit der, der deutschen Internetnutzer korreliert, braucht man keinen Doktor in der Soziologie.

Und somit kommen wir zum nächsten Punkt. Eigentlich müsste man sich freuen, dass die CDU extra Inhalte für das Netz produziert, anstatt einfach nur das wiederzugeben was man auch im Fernsehen sehen kann. Aber wenn ich das lese, muss ich feststellen, dass bisher wohl kein einziger bei der CDU verstanden hat, was Web2.0 im Allgemeinen und YouTube im Speziellen bedeutet: „Die ersten Wahlspots im Internetfernsehen„. Der Name vom CDU-YouTube-Kanal „CDU.TV“ verrät es eigentlich schon, die CDU sieht das als reinen Propaganda-Sender, der nur ausstrahlt. Allerdings funktioniert das Netz nach einem anderen Konzept. Anstatt einem Sender und vielen Empfängern, gibt es viele Sender und Empfänger gleichzeitig, dass ist kein Fernsehen!

Aber da ist wohl jede Hoffnung verloren, dass dies noch jemand von der CDU in diesem Wahlkampf versteht. Doch vielleicht schafft man es sich vor der nächsten teuren Filmproduktion zu fragen, wen man eigentlich erreichen will und wer vor den Geräten zu Hause sitzt, dann kann so etwas nicht mehr passieren:

Update

Keine zwei Minuten nach dem ich diesen Artikel veröffentlicht habe, lesen ich das: Remix-Version zum neuen CDU-Spot. Da waren einige aber ordentlich schnell.

Update 2

Es hat kaum mehr als 24 Stunden gebraucht, da war der Spot „Perspektiven“ zum Internet-TV nicht mehr auffindbar bei der CDU. Anscheinend hatte dieser nicht die erhoffte Wirkung den sich die CDU versprochen hatte. Überraschender Weise. Aber ob dies die richtig Entscheidung war diesen wieder offline zu setzen halte ich auch für fragwürdig, denn es könnte zumindest das Interesse daran gesteigert werden, auch von der Presse.

Im übrigen gibt es noch zwei weitere Spot zum Internetfernsehen der CDU mit den tollen Titeln „Zukunft“ und „Erfahrung“. Im ersteren wird einem eine Studentin in der U-Bahn vorgestellt. Die Zielgruppe nicht völlig verfehlt. Glückwunsch! Im Spot „Erfahrung“ sieht man eine 86-Jährige die über die Russen spricht. DAZU fällt mir dann auch nichts mehr ein …




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Internetvideos sind eines der furchtbar wichtigsten Instrumente im Online-Wahlkampf. Soweit so klar. 2009 nutzen 52 % aller Onliner Videoportale. Von den 14 bis 19 jährigen sogar 93 % und von den 20 bis 29 jährigen 79 %. (siehe ARD/ZDF Onlinestudie 2009) Keine ernsthafte Kampagne kann oder will daher auf Videoinhalte verzichten, um den internetaffinen Wähler zu informieren und zu überzeugen.

Dabei schaut besonders der noch rückenschmerzfreie Teil der Bevölkerung am liebsten Musik- und Unterhaltungsvideos, zumindest mit mehr Begeisterung als solche mit profanen Nachrichten (49 %) oder, noch schlimmer, Wirtschaftsthemen (16 %) (siehe ARD/ZDF Onlinestudie 2007). Daher ist es nicht wirklich erstaunlich, dass Kampagnen neben den unheimlich interessanten Videos von bahnbrechenden Reden und Ortsterminen im Nachbardorf eben auch auf Musikvideos mit einem gewissen Unterhaltungswert setzen.

Und das sich politische Inhalte und Musikvideos auch vertragen können, wissen eigentlich schon seit Bob Marley, aber spätestens seit Barack Obama.

Wir erinnern uns doch gern an das  Obama Girl mit „Crush On Obama“ von barelypolitical.com, welches bis heute über 15 Mio. angeschaut wurde:

Oder das Video von Black Eyed Peas-Mitglied will.i.amYes We Can„. Diese wirklich gut gemachten 4:30 Minuten mit diesen wirklich gutaussehenden 37 Künstler, die Zitate aus der wirklich gutgesprochenen Obama-Rede „Remarks of Senator Barack Obama on New Hampshire Primary Night“ vertonen und das gleich so erfolgreich, dass diese neben mehr als 16 Mio. Klicks auch noch einen Emmy gewannen.

Wie schön war das:

Musikvideo mit Leuten die den dem Wähler vorsingen wie gut wir für das Land sind? Brauchen wir auch, dachte sich die heimische CDU. Doch irgendwie wollte keiner für die CDU so etwas produzieren. Naja, macht man das eben selbst. Kann ja nicht so schwer sein.

Raus gekommen ist dabei der teAM-Deutschland-Song „Wir Sind Wir“:

Was zum Henker haben sich da die Jungs und Mädels von der CDU gedacht und welches Publikum wollen sie damit bitte ansprechen? Produziert hat dieses Übel dann auch noch Leslie Mandoki (ja genau,  der von Dschinghis Khan und spätere Musical Director von Getto-HipHopper Sido war).  Warum aber gerade der so eine Schlager-Schnulze produziert hat ist uns nicht klar. Auch das Making Of bringt kein Licht ins Dunkel, aber dafür herzergreifende Aussagen zu Tage:

Wir wollen dem teAM Deutschland, der Unterstützerkampagne von Angela Merkel, ein musikalisches Gesicht geben.

Aha. Auf jeden Fall gewinnt man damit keinen Blumentopf, was nur allein schon die Wertungen auf YouTube beweisen.

Ein weiterer Versuch auch in Deutschland mit Musikvideos politisch zu punkten, wurde vorgestern aus Kreisen der Frank-Walter Steinmeier-Unterstützer veröffentlicht. Auch dieses Video trifft sicherlich nicht jeden Musikgeschmack, doch wird der „klassische“ Internetnutzer sicherlich eher damit angesprochen. Nicht zuletzt deshalb, weil man hier eben auf HipHop- und Elektrosounds setzt und sich die Musik von Frauenarzts neuesten Track entleiht, welcher gerade auf den Musiksendern hoch und runter gespielt wird.

Beachtenswert ist dabei die aufwendige Produktion, die anscheinend nicht aus Wahlkampfmitteln finanziert wurde. Gefällt auf jeden Fall besser als der teAM-Deutschland-Song, nicht zuletzt wegen dem Anflug von Wortwitz und weil er sich nicht ganz so sehr anbiedert.

Kennt denn jemand noch andere, mehr oder weniger bemerkenswerte Musikvideos mit parteipolitischen Inhalten?

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