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Archive for the ‘Onlinewahlkampf’ Category

Eines der vielen Tools die im Online-Wahlkampf 2009 genutzt wurden, war das Microblogging. Alle großen Parteien nutzten zur Bundestagswahl die größte Microblogging-Plattform Twitter, neben anderen Social Networks wie Facebook und StudiVZ, mehr oder minder erfolgreich.

Doch warum investierten die Parteien in eine rudimentäre Plattform, welche nur 140 Zeichen pro Nachricht zulässt und man weder Videos noch Bilder direkt einbinden kann? Mal gar nicht von denTwitter Nutzerzahlen zu reden. Nach dem letzten Twitter-Zensus vom September 2009 auf webevangilisten.de von Thomas Pfeiffer gibt es im gesamten deutschsprachigen Raum gerade einmal etwa 240.000 Nutzer. Im Vergleich zu Facebook (ca. 6,2 Mio Nutzer) oder StudiVZ/MeinVZ/SchülerVZ (ca. 15 Mio Nutzer) gerade zu lächerlich. Hatten die Parteien ernsthaft zu viel Geld und Zeit und dachten sich „Mensch, das ist aber ein nettes Maskottchen, da melden wir uns auch an“? Oder haben die Parteien einfach nur mal kurz geschaut, welche Social Networks die Obama-Kampagne nutzte und haben dies einfach übernommen? Dies wäre zwar keine ganz dumme Idee gewesen, aber war durchaus nicht der Fall, obwohl die Obama-Kampagne mit die ersten waren, die Twitter für die politische Kommunikation nutzten.

Die deutschen Parteien werden sich bei der Auswahl ihrer zu nutzenden Netzwerke sicherlich etwas gedacht haben und Twitter war dabei – trotz der geringen Nutzerzahlen – eine gute Entscheidung, denn die deutsche Twittergemeinde ist

jung (32 Jahre), männlich (74%) und gebildet (78% haben Abitur). Zwei von drei betreiben einen eigenen Blog und schreiben über Technik, web2.0-Themen oder Privates. Jeder zweite stammt aus der Medien- oder Marketingbranche und jeder Vierte ist Führungskraft oder Unternehmer/in. Und die meisten (83%) schreiben hauptsächlich auf deutsch.

Dies ergab die Deutsche Twitterumfrage 1.0 im März 2009.  Somit ist der klassische Twitter-Nutzer im Durchschnitt älter sind als in anderen Social-Networks wie eben Facebook (27 Jahre) oder StudiVZ (26 Jahre). Außerdem können die Nutzer durch den Bildungsgrad und die Beschäftigungsart klar als Multiplikatoren identifiziert werden. Besonders die deutschen Blogger, welcher über ihre eigenen Plattformen viele weitere Menschen erreichen. Zudem hat sich Twitter zu einem enorm dynamischen Link-Aggregator entwickelt und die Nutzer geben die besten Beiträge in andere Social Networks weiter.

Bis heute ist @barackobama einer der am meisten abonnierten Accounts bei Twitter. Dabei war der normale Einsatz von Twitter bei Obama eigentlich recht unspektakulär. In erster Linie wurden nur Hinweise auf zeitnahe Ereignisse, wie zum Beispiel Video-Live-Streams von Town-Hall-Meetings, veröffentlicht.

Twitter - Barack Obama- In Denver, CO.

Erst zum Ende des Wahlkampfes 2008 änderte sich die Nutzung vom Newsticker hin zu einer größeren Bandbreite an Nutzungsmöglichkeiten. Man bewarb einzelne Aktionen oder rief schlicht und ergreifend zum Wählen auf.

Wenn man einen Vergleich zu Deutschland ziehen will, dann sollte man @barackobama wohl eher mit den einzelnen Accounts der deutschen Parteien vergleichen, als mit einzelnen Politikern. Denn man twittert weder persönlich, noch geht man – meistens – öffentliche Diskussionen ein. Das liegt in erster Linie wahrscheinlich an der Natur der Sache, denn als abstraktes, unpersönliches Gebilde wie eine Partei lässt sich schlecht persönlich schreiben. Außerdem setzt sicherlich die interne Hierarchie der Parteien bzw. der Wahlkampfzentralen einen Riegel vor, was veröffentlicht werden darf und was nicht. Natürlich ist des Weiteren die Frage nicht unberechtigt ob man mit 140 Zeichen eine vollständige Antwort geben oder ernsthaft bei einer Diskussion etwas beitragen kann. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass dies wirklich möglich ist, da ja auch die Nutzer keine längere Antwort als 140 Zeichen erwarten.

Betrachten wir nun einmal etwas genauer die Twitter-Accounts der Parteien. Als erstes fallen die unterschiedlichen Namen auf. Die SPD und die Grünen werben mit ihrem eigenen Namen für ihren Account. Die CDU dagegen will anscheinend gleich darauf hinweisen, dass hier nur ‚Nachrichten‘ gepostet werden, nicht weniger und leider auch nicht mehr. Bei FDP und Linke sieht das ganze noch ein wenig anders aus. Hier twittern nur die Bundestagsfraktionen und nicht die Parteien, was man auch an den Inhalten bemerkt. Die Linke hat auch noch einen weiteren Account mit dem Namen @48Stunden, da dieser aber kaum genutzt wurde und auch fast keine Follower ist dieser nicht mit in die Betrachtung aufgenommen wurden. Auch die Gründungen der einzelnen Accounts liegen recht weit auseinander. So sind die Grünen schon seit dem April 2008 aktiv. Dagegen die SPD erst seit Ende März 2009.

CDU SPD FDP Grüne Linke
Name @cdu_news @spdde @FDP_Fraktion @Die_Gruenen @linksfraktion
Gründung 09.02.09 25.03.09 13.08.08 26.04.08 13.01.09

Auch sonst haben die Grünen die Nase vorn. Vergleicht man die Follower-Zahlen (also die Abonnenten) stellt man fest, dass die Grünen hier die meisten Interessierten binden. Gefolgt von SPD, CDU und FDP die recht nah aneinander liegen. Das Schlusslicht ist ganz klar hier die Linke. Ob dies am schlecht zu findenden Namen, an zu wenig Werbung auf anderen Plattformen oder an der geringen Unterstützung von netzaffinen Menschen liegt, lässt sich nur vermuten.

Beim Vergleich der Friends-Zahlen (also den eigenen Abonnements) liegt ein ähnliches Bild vor, nur auf einem bei weit geringeren Niveau. Klar stellt sich hier die Frage, warum man auch seinen eigenen Abonnenten folgen sollte, wenn es doch nur zur Nachrichtenübermittlung und weniger um den direkten Dialog geht. Aber dies ist zu kurz gedacht, denn erstens wird damit ein Interesse der Partei an dem Einzelnen suggeriert und somit eher an den Account gebunden. Desweiteren kann man über einige Analyse-Tools die Diskussionen seiner eigenen Folgschaft in Echtzeit verfolgen und somit auf Entwicklungen schneller reagieren. Die Parteien sollten schleunigst ihre Angst davor ablegen, den „Falschen“, also Politikern oder Unterstützern anderer Parteien, zu folgen.

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Und schon wieder haben es die Jungs und Mädels von der CDU geschafft die Zielgruppe ordentlich zu verfehlen.

Vor ein paar Stunden wurde ein neuer Spot mit dem schönen Titel „Perspektive“ veröffentlicht. Die schöne Perspektive des Films zeigt eine Tankstelle und einen Autofahrer beim Tanken. So stellt sich die CDU die Zukunft vor? Anscheinend schon, denn im Spot hetzt man gegen neue Technologien – im Speziellen die Erneuerbaren Energien – und sagt, dass man lieber an den alten, den bestehenden Konzepten festhalten will.

Also man kann ja meinetwegen vom Atomausstieg halten was man will, aber zusagen das man Erneuerbare Energie nicht braucht, ist im Wahlkampf recht kontraproduktiv. Besonders weil etwa 85 % der BundesbürgerInnen diese befürworten, selbst die Anhänger von Schwarz-Gelb (81 %) wie eine Befragung von Emnid für Greenpeace vor kurzem ergab. Gerade auch die jüngeren Generationen stehen diesem Thema sehr aufgeschlossen gegenüber. So halten 81 % der 14- bis 29-Jährigen die Förderung von Erneuerbaren Energien für sehr bzw. außerordentlich wichtig (forsa 2007). Um festzustellen dass diese Gruppe mit der, der deutschen Internetnutzer korreliert, braucht man keinen Doktor in der Soziologie.

Und somit kommen wir zum nächsten Punkt. Eigentlich müsste man sich freuen, dass die CDU extra Inhalte für das Netz produziert, anstatt einfach nur das wiederzugeben was man auch im Fernsehen sehen kann. Aber wenn ich das lese, muss ich feststellen, dass bisher wohl kein einziger bei der CDU verstanden hat, was Web2.0 im Allgemeinen und YouTube im Speziellen bedeutet: „Die ersten Wahlspots im Internetfernsehen„. Der Name vom CDU-YouTube-Kanal „CDU.TV“ verrät es eigentlich schon, die CDU sieht das als reinen Propaganda-Sender, der nur ausstrahlt. Allerdings funktioniert das Netz nach einem anderen Konzept. Anstatt einem Sender und vielen Empfängern, gibt es viele Sender und Empfänger gleichzeitig, dass ist kein Fernsehen!

Aber da ist wohl jede Hoffnung verloren, dass dies noch jemand von der CDU in diesem Wahlkampf versteht. Doch vielleicht schafft man es sich vor der nächsten teuren Filmproduktion zu fragen, wen man eigentlich erreichen will und wer vor den Geräten zu Hause sitzt, dann kann so etwas nicht mehr passieren:

Update

Keine zwei Minuten nach dem ich diesen Artikel veröffentlicht habe, lesen ich das: Remix-Version zum neuen CDU-Spot. Da waren einige aber ordentlich schnell.

Update 2

Es hat kaum mehr als 24 Stunden gebraucht, da war der Spot „Perspektiven“ zum Internet-TV nicht mehr auffindbar bei der CDU. Anscheinend hatte dieser nicht die erhoffte Wirkung den sich die CDU versprochen hatte. Überraschender Weise. Aber ob dies die richtig Entscheidung war diesen wieder offline zu setzen halte ich auch für fragwürdig, denn es könnte zumindest das Interesse daran gesteigert werden, auch von der Presse.

Im übrigen gibt es noch zwei weitere Spot zum Internetfernsehen der CDU mit den tollen Titeln „Zukunft“ und „Erfahrung“. Im ersteren wird einem eine Studentin in der U-Bahn vorgestellt. Die Zielgruppe nicht völlig verfehlt. Glückwunsch! Im Spot „Erfahrung“ sieht man eine 86-Jährige die über die Russen spricht. DAZU fällt mir dann auch nichts mehr ein …




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Der neueste Elektrische Reporter informiert dieses mal zum Web-Wahlkampf und trifft dabei so genau ins Schwarze, dass mir die Tränen in den Augen stehen. Denn er beschreibt so wunderbar, was wir schon alle festgestellt haben: Ein richtiger Internetwahlkampf ist das ganz bestimmt nicht. Die Parteien und Spitzenkandidaten blähen sich auf mit Seiten und Profilen und doch haben Sie nicht verstanden was Wahlkampf im Netz bedeutet. Ihre Internetseiten sind einfach nur riesige Wahlplakate. Das ist NETZREKLAME!


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Internetvideos sind eines der furchtbar wichtigsten Instrumente im Online-Wahlkampf. Soweit so klar. 2009 nutzen 52 % aller Onliner Videoportale. Von den 14 bis 19 jährigen sogar 93 % und von den 20 bis 29 jährigen 79 %. (siehe ARD/ZDF Onlinestudie 2009) Keine ernsthafte Kampagne kann oder will daher auf Videoinhalte verzichten, um den internetaffinen Wähler zu informieren und zu überzeugen.

Dabei schaut besonders der noch rückenschmerzfreie Teil der Bevölkerung am liebsten Musik- und Unterhaltungsvideos, zumindest mit mehr Begeisterung als solche mit profanen Nachrichten (49 %) oder, noch schlimmer, Wirtschaftsthemen (16 %) (siehe ARD/ZDF Onlinestudie 2007). Daher ist es nicht wirklich erstaunlich, dass Kampagnen neben den unheimlich interessanten Videos von bahnbrechenden Reden und Ortsterminen im Nachbardorf eben auch auf Musikvideos mit einem gewissen Unterhaltungswert setzen.

Und das sich politische Inhalte und Musikvideos auch vertragen können, wissen eigentlich schon seit Bob Marley, aber spätestens seit Barack Obama.

Wir erinnern uns doch gern an das  Obama Girl mit „Crush On Obama“ von barelypolitical.com, welches bis heute über 15 Mio. angeschaut wurde:

Oder das Video von Black Eyed Peas-Mitglied will.i.amYes We Can„. Diese wirklich gut gemachten 4:30 Minuten mit diesen wirklich gutaussehenden 37 Künstler, die Zitate aus der wirklich gutgesprochenen Obama-Rede „Remarks of Senator Barack Obama on New Hampshire Primary Night“ vertonen und das gleich so erfolgreich, dass diese neben mehr als 16 Mio. Klicks auch noch einen Emmy gewannen.

Wie schön war das:

Musikvideo mit Leuten die den dem Wähler vorsingen wie gut wir für das Land sind? Brauchen wir auch, dachte sich die heimische CDU. Doch irgendwie wollte keiner für die CDU so etwas produzieren. Naja, macht man das eben selbst. Kann ja nicht so schwer sein.

Raus gekommen ist dabei der teAM-Deutschland-Song „Wir Sind Wir“:

Was zum Henker haben sich da die Jungs und Mädels von der CDU gedacht und welches Publikum wollen sie damit bitte ansprechen? Produziert hat dieses Übel dann auch noch Leslie Mandoki (ja genau,  der von Dschinghis Khan und spätere Musical Director von Getto-HipHopper Sido war).  Warum aber gerade der so eine Schlager-Schnulze produziert hat ist uns nicht klar. Auch das Making Of bringt kein Licht ins Dunkel, aber dafür herzergreifende Aussagen zu Tage:

Wir wollen dem teAM Deutschland, der Unterstützerkampagne von Angela Merkel, ein musikalisches Gesicht geben.

Aha. Auf jeden Fall gewinnt man damit keinen Blumentopf, was nur allein schon die Wertungen auf YouTube beweisen.

Ein weiterer Versuch auch in Deutschland mit Musikvideos politisch zu punkten, wurde vorgestern aus Kreisen der Frank-Walter Steinmeier-Unterstützer veröffentlicht. Auch dieses Video trifft sicherlich nicht jeden Musikgeschmack, doch wird der „klassische“ Internetnutzer sicherlich eher damit angesprochen. Nicht zuletzt deshalb, weil man hier eben auf HipHop- und Elektrosounds setzt und sich die Musik von Frauenarzts neuesten Track entleiht, welcher gerade auf den Musiksendern hoch und runter gespielt wird.

Beachtenswert ist dabei die aufwendige Produktion, die anscheinend nicht aus Wahlkampfmitteln finanziert wurde. Gefällt auf jeden Fall besser als der teAM-Deutschland-Song, nicht zuletzt wegen dem Anflug von Wortwitz und weil er sich nicht ganz so sehr anbiedert.

Kennt denn jemand noch andere, mehr oder weniger bemerkenswerte Musikvideos mit parteipolitischen Inhalten?

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