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Archive for the ‘Allgemein’ Category

re:publica 2010 - Logo beetlebumisiert

Weil schon wieder einmal unseren kompletten Etat für Weiterbildung im Onlineshop der bpb rausgehauen hatten, erfreute uns folgendes Angebot der re:publica außerordentlich: Teilnehmen für Umme, dafür Helfen.

Sehr gut. Auf nach Berlin.

Der Titel der diesjährigen re:publica “nowhere” versprach viel Diskussion über das mobile Internet sowie das Echtzeitweb und all seine Auswirkungen. Dominant waren daneben vor allem  Themen der Netzneutralität und der Internetzensur. Die unzähligen Sessions zeichneten  dabei leider ein schwarzes Bild für die Zukunft des freien Netzes durch staatliche Zensurmaßnahmen und unternehmerische Einschränkungen über den ganzen Globus.

Aber natürlich ist bei weit über 200 Sprechern die Themenvielfalt unbeschreiblich groß und wir maßen uns an dieser Stelle gar nicht an einen adäquaten Überblick geben zu wollen. Spontanabfrage im Dezernat Gedächtnis , Abteilung re:publica,  Bereich Erwähnenswerte Redner ergibt aber folgendes:  The incredible Jeff Jarvis, Peter Glaser, Sascha Lobo, der fantastische Vortrag von Prof. Peter Kruse, einen geistigen Kniefall vor Daniel Schmitt von Wikileaks, die Beiträge von Simon Schlauri, Luca Hammer, Melissa Gira Grant und die Vorträge bei den BOBs.

Anzumerken bleibt außerdem,  dass die mediale Aufmerksamkeit für  die re:publica an sich unerwartet hoch war.  Wie Markus Beckedahl diesbezüglich treffsicher konstatierte war es dabei erstaunlich, dass stets davon gesprochen wurde, dass  sich „die Szene trifft“.

Dass das allein in den Augen der Journalisten schon Neuigkeitswert besitzt ist schön,  darum beneidet uns sicherlich der jährliche Kongress der Gynäkologen – ja auch irgendwie eine Szene, wenn auch eine noch speziellere.  Diese Fremdwahrnehmung als so vermeintlich homogene und in sich geschlossene Gruppe der Netizens, der Nerds, Digitals Natives, Generation C64 oder ähnlicher, hüstel,  treffender Etiketten trägt aber zweifelsohne auch ein Stück zu dem bei was man etwas pathetisch als Gemeinschaftsgefühl beschreiben könnte.

Der von uns geschlossene Pakt Aufenthaltsgenehmigung gegen Arbeitskraft, ermöglichte uns schließlich auch einen zarten Blick hinter die Kulissen. Und  das Resümee dieses Eindrucks lässt sich ziemlich kurz fassen: Das Team der re:publica schien immer und zu jeder Uhrzeit unverschämt entspannt! Und das trotz nicht funktionierendem wLan und dem sicherlich schwer einplanbaren Ausbruch des  Eyjafjallajökull und dadurch ausfallender Speaker.

Fernab gewohnter Steifheit üblicher Kongresse situierte sich die Athmosphäre der re: publica irgendwo zwischen Klassentreffen und Festival, aber eben auch einer inhaltlich schwertragenden Konferenz.  Aparte Mischung.

Das zeigte sich nicht zuletzt an der Abschiedsveranstaltung mit Johnny Häusler, die mit vor allem eins war: gnadenlos gut improvisiert!

Wartend auf Biz Stone erfüllten die willigen Teilnehmer Johnny Häusler einen alten Traum: Massen-Karaoke zu einem Queen-Klassiker. Ein Glück gibt es die Feuerzeug-App fürs iPhone.

Und da war sie dann, eine von diesen Situationen, in denen man schon just im selben Moment weiß, dass sie die Annalen eingehen wird. Wisst ihr noch damals, als  wir alle Bohemian Rapsody sangen?

Die vierte Loveparade soll ja  angeblich auch die beste von allen gewesen sein …

Einziger Kritikpunkt: Kein Re:braten, no where.

Anhang.

Wir hatten das Glück den Menschen kennenlernen zu dürfen, der dieses großartige Video von und über die re:publica gedreht hat. Dafür hier noch einmal ein Dank. Zuerst veröffentlicht auf pl0g.de.

re:publica 2010 – Meine Tags zur Veranstaltung sind… from dotdean on Vimeo.

Update.
Viele weitere Blog-Artikel findet man im übrigen hier.

Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Markus Winkler geschrieben.
Bild: re:publica-Logo beetlebumisiert / CC by-nc-nd 2.0 de
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Ich glaube die Diskussion hat jeder schon einmal geführt. Sei es nun auf der Seite derer die da fragen „Zu was brauchen ich den so ein Soziales Netzwerk? Muss ich da sein?“ oder auf derer die darauf mit „Na klar, auf jeden Fall!“ antworten. Die Diskussion geht dann meistens ins Endlose. Im folgenden Video werden einige Zahlen zur europäischen Nutzung in netter Präsentation aufbereitet, die zeigen das Social Networks immer wichtiger werden (und sind).

Für meinen Geschmack enthält das Video von der Agentur kmf zwar zu viel Bullshit Buzzword-Bingo, nett anzuschauen ist es trotzdem.

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Unibrennt

Was sich in den letzten Tagen in  Österreich abspielt – speziell an der Universität Wien – ist schon beeindruckend. Dabei ist der studentische Protest der entbrannte und unteranderem sich in der Besetzung des Audimax der Uni Wien seit letztem Donnerstag manifestiert und bis heute – trotz langem Wochenende – durchgehalten wurde, nur ein Teil dessen.

Besonders beeindruckend für mich ist, dass man neben den klassischen Protestarten – eben von der Besetzung bis hin zu Flyern – besonders auf die digitalen Medien setzt. Und das nicht ohne Grund. Denn neben der Kommunikation nach außen, hat sich auch innerhalb der Strukturen der Besetzer einiges verändert, wenn man den Vergleich mit früheren Protesten dieser Art wagt. Philipp Sonderegger beschreibt im PHSBLOG hervorragend die Strukturen der Protestierer: Es gibt keine starre Hierarchie, keine kleine Gruppe, welche die Leitung des Protests einnimmt. Alle wichtigen Posten werden täglich neugewählt. Jeder kann sich einbringen und mit abstimmen.

Dieses aus einem recht spontanen Protests ‚herausgebildete‘ Netzwerk nutzt dabei viele Möglichkeiten des Internets zur dezentralen Organisation, was hier einmal kurz am Beispiel der Besetzung des Audimax der Uni Wien beschrieben werden soll. Als Herzstück der ‚Kampagne‘  agiert die Homepage unsereuni.at, welche sich anscheinend als zentrale Anlaufstelle etabliert hat. Diese bietet alles was das Herz begehrt. Neben immer wieder neu erscheinenden Meldungen, gibt es eine Terminübersicht, Kommentarfunktion, Fotos, Pressespiegel und Verlinkungen zu allen anderen Unis die sich dem Protest angeschlossen haben.

Neben diesen noch recht klassischen Elementen nutzt man für die Koordination und zur Diskussion auf ein Forum und ein Wiki. So diskutiert man im Forum über die Forderungen und andere inhaltliche Herausforderungen. Im Wiki, im welchem jeder mitarbeiten kann, werden alle Arbeitsgruppen vorgestellt, die Plenen vorbereitet und die Arbeit verschiedener Stellen dokumentiert.

Um dieses digitale Herz etabliert sich dazu ein Netz aus verschiedenen Sozialen Netzwerken, die zur Koordination und Diskussion genutzt werden. So hat die Facebook-Seite zur Audimax-Besetzung bis jetzt 16.513 Fans (Stand 28. Oktober, 19:13 Uhr), welche stark von den Betreibern, aber auch von den  ‚Fans‘ genutzt wird. Das StudiVZ-Edelprofil hat mit 4597 nicht ganz soviel Zulauf, eignet sich für die Zwecke der Protestierenden aber auch weniger. Trotzdem werden alle wichtigen Informationen dargeboten und die Pinnwand von den Studierenden durchaus genutzt. Der passende Twitter-Account darf natürlich nicht fehlen. Dieser wird in erster Linie zur Informationsverbreitung genutzt, ähnlich wie bei Facebook. Das heißt hierüber werden Meldungen, Hinweise und Ähnliches verbreitet. Daneben werden Twitter und Facebook auch als digitales Schwarzes Brett genutzt, um z.B. nach Nahrungsmitteln oder USB-Kabeln zu bitten. Aber auch zur regen Diskussion wird Twitter genutzt, unteranderem mit Hilfe der Hashtags #unsereuni #unibrennt und #audimax.

Die Dynamik die dabei entstanden ist, ist einfach beeindruckend, besonders vor dem Hintergrund, dass diese Besetzung erst letzten Donnerstag (22.10.09) ad-hoc entstanden ist. Dieser digitale Protest ist ein wunderbares Beispiel für die Möglichkeiten und die Macht des Netzes. Nicht nur bei der eigene Koordination, sondern ganz besonders in der Herstellung von Öffentlichkeit.

Gerade durch diese recht ungeplante Besetzung und ohne starke Hierarchien ist eine klassische Pressearbeit kaum möglich. Auch scheint das Interesse mancher Medien für den Protest sich erst spät entwickelt zu haben. So hat zum Beispiel der ORF lieber über den Weltrekordversuch des Bundesheeres im Massen-Mambo-Tanzen am letzten Freitag berichtet, als über die Besetzung des Audimax. Somit ist nicht verwunderlich, dass man bei der Pressearbeit und bei der Herstellung von Öffentlichkeit genauso auf die neuen Kommunikationsformen setzt, anstatt auf die alten Medien zu warten.

Der Video-Live-Stream aus dem Audimax macht dabei nur den Anfang. Dabei wird alles übertragen was hier stattfindet: Von Plenumssitzungen bin zu Vorträgen. Außerdem werden verschiedene Videos veröffentlicht. Unteranderem auf YouTube und auf ichmachpolitik.at (ein politisches Videoportal, in dem sonst Fragen an Politiker gestellt werden kann). Hier werden vor allem Interviews mit Mitgliedern von Arbeitsgemeinschafte verbreitet, aber auch von manch prominenten Menschen. Daneben gibt es aber auch schon kleine Kampagnen-Videos, die kurz und auf spannende Wiese die grundsätzlichen Forderungen artikulieren.

Wer sich desweiteren ein Bild von der Lage machen will, kann auch auf Flickr zurückgreifen. Hier gibt es einen eigens angelegten Account und einen Gruppenpool, welche viele Bilder der letzten Tage bereitstellen. Außerdem versuchen sich Studierende in der Rolle von Journalisten und nutzen Internetangebote, wo jeder Nachrichten verbreiten darf, wie z.B. Indymedia oder iReporter von CNN.

Somit hat man es geschafft diesen Streik in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Berichteten zuerst nur österreichische Blogs und Medien, schwappte die Welle langsam auch nach Deutschland und wurde z.B. von einem der größeren deutschsprachigen Blogs Spreeblick aufgegriffen und später sogar von der Süddeutschen Zeitung.

Die Besetzung des Audimax der Uni Wien zeigt sehr anschaulich, wie und warum die Möglichkeiten des Internets – von der eigenen Homepage bis zu den Sozialen Netzwerken – genutzt werden können. Die Studierenden können sich leicht selbstständig organisieren, Transparenz schaffen, viele am Protest teilhaben lassen und sehr schnell, sehr viele Menschen informieren und mobilisieren.

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